Reise in die Vergangenheit - die Q12 in Weimar
verfasst von Bjeqnxj4abmiipnw 3Bauhrokvh2argdntu,1 8Qf1m2t am 13. Februar 2026 - 17:26
„Weimar Total klassisch Wir fandens toll Aber doch nicht alle Moderne”
Wir¹ treten aus dem Bahnhof. Vor uns liegt Weimar. Unsere Erwartungen: ein großes Dorf - böse Zungen sagen, ein Kaff. Alt, ehrwürdig, irgendwas mit Goethe und Schiller. Es nieselt leicht. Vor uns zwei Tage epischer und dramatischer Momente, durch die wir gleichsam emotional gereinigt als definitiv gebesserte Menschen hervorgehen werden.
Genug der überschwänglichen Vorrede, nach der Ankunft im Hostel hatten wir jedenfalls erstmals ein wenig Freizeit, um die Stadt zu erkunden oder einfach anzukommen. Was sofort auffällt: Obdachlose und größere Baustellen scheint es hier schlicht nicht zu geben - und diese Beobachtung wird im Verlauf der Fahrt auch nicht widerlegt werden können. Lange aber hält sie nicht, diese Glückseligkeit der freien Zeit.
Akt 1: Im Baumarkt?!
Wo befinden wir uns? Nein, es handelt sich nicht um einen Baumarkt. Der äußere Eindruck lässt sich liebevoll mit den Worten „Klotz” oder „Würfel” umschreiben. Handwerklich zu ging es hier trotzdem, beim „Kunstexperiment” Bauhaus. Hierbei handelt es sich um eine 1919 von Walter Gropius gegründete Kunstschule, die neue Wege ging und einen neuen Künstler, ja, einen neuen Menschen, schaffen wollte. Dem einen oder anderen ist sie ein Begriff, für uns ist sie größtenteils fremd.
Im Innern geht die Führung durch die Ausstellung zwar ähnlich öde wie diese vorherigen Sätze zu. Umso schöner, ausgefeilter oder einfach bequemer erscheinen jedoch dadurch die im Innern ausgestellten Werke: Architekturbaukästen, Küchenausstattung, Lampen und auch Sitzmöglichkeiten, um nur einige zu nennen.
Akt 2: Die Stronghold-Library oder: Herzogin Anna Amalia Bibliothek
Warum gerade Weimar? Was suchten Goethe, Schiller, Wieland und Herder dort? Diese Frage brennt einigen schon länger unter den Nägeln - und endlich bekommen wir eine Antwort. Denn die liegt in der Namensgeberin jener Bibliothek: Eine gut gebildete, Literatur und Kunst liebende Herzogin lockte jene Größen im späteren 18. und frühen 19. Jahrhundert schrittweise nach Weimar und sorgte mit ihrer Politik für ein kulturelles Aufblühen der Stadt. So entwickelte sich Weimar auch schon früh zu einer Touristenstadt mit Museen und strahlte bald in die ganze Welt.
Ein schönes Fotomotiv bietet uns der würfelförmige „Bücherkubus”, das Herzstück der heutigen (allgemein zugänglichen) Bibliothek. Aber wir haben Glück und kommen auch in den Rokokosaal im historischen Gebäude, in dem die Besucherzahl stark begrenzt ist.
Unterirdisch befindet sich ein nicht ganz originaler Keller, in welchem viele Kilometer Bücherregale schlummern. Geschuldet ist dies dem beeindruckenden Fakt, dass die mittlerweile fast 1,2 Millionen Bücher schließlich irgendwo untergebracht werden müssen.
Akt 3: Ausradiert.
Kann man hier schon vom dramatischen Höhepunkt sprechen? Ernsthaft wird es am Abend auf jeden Fall: Wir gehen in die theatrale Recherche „Ausradiert” am stellwerk. Ein junges Ensemble (teils in unserem Alter) rückt die Eugenik-Verbrechen während der NS-Zeit in den Fokus. Es werden Geschichten erzählt von Menschen, die gegen rassistische, völkische Ideologie für das Leben einstehen. Leider muss sich hier kurzgefasst werden, aber so viel sei gesagt: Nicht nur einige Gänsehautmomente führen uns zur unübersehbaren Erkenntnis: wir sind Demokratie, eine Errungenschaft, für die es sich jetzt, mehr denn je, einzusetzen gilt.
Akt 4: Goethe und Schiller - ein Einheitsbrei?
Nach einer recht kurzen Nacht (in der selbstverständlich alles ordnungsgemäß vonstattenging) geht es frisch gestärkt wieder los. Nachdem die letzten legendären Kickerturniere beendet sind, kann’s losgehen zur Ausstellung Faust. Angesichts der Tiefe des Werks kommen wir schnell auf philosophische Gesprächsthemen zu sprechen, und wir sind erstaunt über die Aktualität einiger Überlegungen Goethes - die Reflexion über künstlich geschaffene „Intelligenz” (Homunkulus) beispielsweise. Aber auch die Auswirkungen menschengemachter Eingriffe in die Natur beleuchtete er kritisch in seinem umfassenden Werk.
Direkt nebenan: Schillers Wohnhaus. Bei der Führung werden uns die großen Unterschiede der sonst immer in einem Atemzug genannten Dichter deutlich: Der eine nah am einfachen Volk, der andere gerne in hoher Gesellschaft. Viel Neues gibt es zu entdecken, zum Beispiel: Schiller war zeit seines Lebens länger krank denn gesund - darum steht sein Bett direkt vor dem Schreibtisch. Aber auch Fragen kommen auf: Wieso schliefen (vornehmere) Eheleute damals nicht zusammen? Und wie passte der 1,90 Meter große Literat durch die recht niedrigen, teils engen Türen?
Akt 5: Denkwürdiger Abschluss - die Gedenkstätte Buchenwald
Zuletzt besichtigen die Teilnehmenden des W-Seminars „Stolpersteine” und einige Freiwillige noch die Gedenkstätte Buchenwald - ein ehemaliges Arbeitslager. Erstaunt fragen wir, wo denn der namensgebende Buchenwald sei. Unser Guide Bjeqsxm4ebnisp klärt uns auf: Der Name leitet sich von einem Dorf in der Umgebung ab. Den naheliegenderen Namen „Ettersberg” lehnte die NS-Kulturbürgerschaft Weimars aufgrund der engen Verknüpfung mit Goethes beliebtem Spazierweg auf jenem höchsten Berg in der Umgebung der Stadt (481 m ü. NHN) ab. Zum Schluss erfahren wir in der Ausstellung „Ausgrenzung und Gewalt” einiges über die Geschichte des Lagers und auch einzelner Häftlinge.
Epilog
Was bleibt da noch zu sagen? Besonderer Dank gilt unseren Lehrkräften, ohne Sie wäre dies alles nicht möglich gewesen!
Ist das jetzt alles? Mit Sicherheit nicht! Vieles ist unerzählt geblieben. Aber das sind andere Geschichten und sollen ein andermal erzählt werden.
¹ Wir - das sind die drei Deutschkurse 1d1, 1d2 und 1d3 von Herrn Bjeqsxm4ebnisp, Herrn Sjtqixc4hb und Frau Wjeqbxe4rb, die von Mittwoch (11.02.) bis Donnerstag (12.02.) Weimar unsicher machten.
² Die beschriebenen Sehenswürdigkeiten wurden nicht immer gleichzeitig, sondern kursabhängig versetzt besucht.
